Kurzfilm-Drehbuch schreiben: 11 Tipps

Da wir unsren letzten Film vor einiger Zeit fertiggestellt haben waren wir seit Anfang des Jahres auf der Suche nach neuen Ideen. Schließlich habe ich vor einigen Wochen das Drehbuch für einen ca. 35 Minuten langen Kurzfilm fertiggestellt. Vor dem Schreiben habe ich nochmal in einige Bücher überflogen. Hier kommen 10 Tipps, die mir geholfen haben:

Die meiste Arbeit beim Drehbuchschreiben geschieht vor dem eigentlichen schreiben. Früher habe ich Drehbücher angefangen obwohl ich das Ende der Geschichte noch nicht kannte. Mit der Zeit habe ich aber verstanden, dass ein gut geplanter Aufbau unheimlich wichtig ist.

1. Klare Story

Worum soll es in deinem Film gehen? Oft verliert man sich den vielen Ideen und versucht von allem etwas reinzubringen. Schreib am besten in drei Sätzen eine kurze Inhaltsangabe. Stell dir vor, diese Sätze würden auf der Rückseite einer DVD stehen. Würdest du sie kaufen?

2. Film-Story

Film ist bewegtes Bild. Die Figuren müssen handeln. Wenn in deiner Geschichte eine Figur dasitzt und einen inneren Monolog führt, dann ist diese Idee vielleicht besser für eine Kurzgeschichte geeignet.

3. Starke Charaktere

Ein Film über eine dumme Blondine? Oder einen faulen Beamten? Keine gute Grundlage für einen Film. Clinches sollten man vermeiden, denn obwohl sie scheinbar Sicherheit geben, werden wir kaum mit solchen Figuren mitfühlen. Andererseits sollte man auch nicht versuchen, möglichst ungewöhnliche oder schräge Charaktere zu erschaffen. Das Ziel sollte sein, einen Menschen mit allen Facetten seiner Persönlichkeit zu erschaffen. Stell dir deshalb auch Fragen zu deinen Figuren, die nicht unbedingt im Film vorkommen: In welchen Verhältnissen ist sie aufgewachsen? Welche Freunde hatte sie? Welche Musik hört sie im Auto? Wofür hat sie Angst?

4. Innerer und äußerer Konflikt

Die letzte Frage führt auch schon zum nächsten Schritt: Was hindert die Figur daran, das zu erreichen, was sie erreichen möchte? Deine Hauptfigur braucht ein klares Ziel. Das Auslösende Ereignis in der Mitte des ersten Akts gibt der Figur dieses Ziel vor. In das normale Leben der Figur tritt plötzlich etwas, was alles ändert und die Figur zwingt zu Handeln. Der Wille der Hauptfigur treibt den Film voran. Dabei kann sich die Figur auch selbst im Weg stehen: Ihre Persönlichkeit oder Einstellung macht es der Hauptfigur schwer, ihr Ziel zu erreichen. Sie muss ihre inneren Konflikte lösen.

5. Aufwand kalkulieren

Wenn du dein Drehbuch selbst umsetzten möchtest musst du natürlich darauf achten, dass das möglich ist. Oft denkt man beim Schreiben nicht an die Umsetzung sondern lässt seiner Phantasie freien Raum. Doch dann sollte man sich immer mal wieder Fragen, ob man einen Film mit diesen Schauplätzen und der Anzahl an Figuren wirklich drehen kann.

6. Wendepunkte

Für Spielfilme gibt es eine klar festgelegte Struktur in der auch die Wendepunkte festgelegt sind. Es ist nicht ganz einfach diese auf Kurzfilme zu übertragen, weil sie sehr unterschiedliche Längen haben. Man kann sich aber dennoch an ihr orientieren. Egal wie kurz der Film ist, er braucht  zwei (Wende)punkte: Ein auslösendes Ereignis am Anfang und einen Wendepunkt kurz vor Schluss in dem sich die Geschichte aufklärt. Wenn der Film länger wird müssen Wendepunkte hinzukommen. In der Mitte des Films, dem 2. Akt, der ca. die Hälfte des Films einnimmt, solle es eine Zeit lang keine Wendepunkte geben. Hier ist Zeit für die Hauptfigur, um ihrem Ziel näher zu kommen.

7. Noch ein bisschen Vorarbeit

Wenn du deine Geschichte im Kopf entwickelt hast, kannst du ein Expose, also eine ausführliche Inhaltsangabe schreiben und sie schon mal von deinen Freunden lesen lassen. Hier zeigt sich schon ob die Geschichte originell und gut ist.

Wenn du beschließt, dass die Geschichte so feststeht, legst du am Besten für jede Szene eine Karteikarte an und hängst sie irgendwo auf. So hast du einen sehr guten Überblick und kannst die Karten neu anordnen oder rausnehmen, wenn du etwas ändern willst.

8. Szenen

Außerdem kannst du auf diesen Karten jede einzelne Szene planen. Denn genau wie der ganze Film hat auch jede einzelne Szene einen Wendepunkt. Sie muss die Geschichte voranbringen. Wenn du sie rauswerfen könntest, ohne dass sich an der Geschichte etwas ändert, dann schmeiß sie raus. Außerdem sollte es in jeder Szene Konflikte geben. Nur so entsteht Spannung.

9. Schreibtempo

Hast du auch schon mal ein Projekt gehabt, das nie fertig geworden ist, weil du irgendwann frustriert warst? Deshalb finde ich es wichtig, dass sich das Schreiben nicht zu lange hinzieht. Du wirst diesen Film schließlich noch drehen und bearbeiten müssen. Ich setzte mir deshalb immer Ziele, z.B. dass ich jeden Tag zwei oder drei Stunden schreibe. Wenn du dir vorher genug Gedanken um den Aufbau gemacht hast, ist es dann auch kein Problem, ein 30 Seiten Drehbuch in 10 Tagen zu schreiben. Du findest an einer Stelle nicht die richtigen Worte und musst lange grübeln? Schreib es so hölzern auf, wie es dir in den Sinn kommt. Du wirst alles sowieso nochmal überarbeiten.

10. Überarbeitung

Wenn der erste Entwurf fertig ist, fühlt es sich an, als sein das Drehbuch fertig. Doch das ist es nicht. (Und es fühlt sich an, als wäre es so ziemlich das Beste was je geschrieben wurde. Das ist es sehr wahrscheinlich auch nicht.) Deshalb lässt du das Drehbuch am besten ein paar Tage liegen und denkst nicht daran. Und dann liest du es nochmal in einem durch um ein Gefühl für das Tempo zu bekommen. Ich greife dann meistens nochmal auf die Karteikarten-Struktur zurück und kürze oder verlängert Szenen. Das Tempo in Kurzfilmen ist schneller als in normalen Spielfilmen, deshalb kann man sich nicht an ihnen orientieren.

11. Kritik

Wenn du mit deinem Drehbuch zufrieden bist, gib es Leuten, die dir eine ehrliche Rückmeldung geben werden. Am besten welchen, die sich mit Film oder Theater auskennen. Natürlich kannst du, selbst wenn die Kritik ehrlich ist, nicht jeden Rat befolgen. (Deine Kritiker werden sich vielleicht sogar gegenseitig widersprechen). Aber du solltest sie in jedem Fall ernst nehmen und genau darüber nachdenken. Es fällt schwer, nochmal etwas großes an so einem Drehbuch zu verändern, oder es sogar ganz wegzuschmeißen. Aber du willst doch einen guten Film machen, oder?

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